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Arno Fischbacher
Arno Fischbacher  |  11.10.2012

Die Stimme - Schlüssel zum Erfolg

Wie Sie dafür sorgen, dass Ihr wichtigstes Instrument einwandfrei funktioniert. Wie Sie das volle Potenzial Ihrer Stimme ausschöpfen.
Der Kaffee im Flieger war fürchterlich, der Flug hatte eine Stunde Verspätung, die Klimaanlage war viel zu kalt eingestellt, und Ihr Zimmer ist noch nicht frei. Zu allem Übel sind Sie seit zwei Tagen nicht ganz fit. Sie sind von dem anstrengenden Trainingsgeschäft ziemlich erschöpft und Ihre Stimme schwächelt. Kommt zu dem ganzen Stress jetzt etwa noch eine Erkältung hinzu? Wie in aller Welt sollen Sie das anstehende zweitägige Seminar meistern? Acht Stunden ohne große Unterbrechungen sprechen, Fragen der Teilnehmer beantworten, in den wenigen Pausen mit dem Büro telefonieren, um das Tagesgeschäft im Blick zu behalten. Selbst wenn Inhalt und Auftreten stimmen: Wenn Ihre Stimme versagt, war die beste Vorbereitung umsonst.

Im Trainings- und Vortragsgeschäft spielt die Stimme auf zwei Ebenen eine wichtige Rolle. Erstens müssen Sie als Speaker, Trainer und Coach selbst dafür sorgen, dass sie als Ihr wichtigstes Instrument einwandfrei funktioniert. Zweitens verschenken Sie ungeheures Potenzial, wenn Sie die Möglichkeiten Ihrer Stimme nicht richtig ausschöpfen. Wie Sie auf andere wirken, hängt schließlich zu mehr als einem Drittel von Ihrer Stimme ab.

Ihre Stimme wird es Ihnen danken – So halten Sie sich stimmlich fit

Für den Alltag gibt es einfache Regeln, um Ihre Stimme fit zu halten. Genauso wie Ihr ganzer Organismus Nahrung, Schlaf und Fitness braucht, benötigt Ihre Stimme Wasser, Ruhephasen und Warming-up. Stilles Wasser ist das Beste, was Sie Ihrer Stimme geben können. Achtung: Zu viel Kaffee und auch Energydrinks machen „eng“ im Hals. Dadurch laufen Sie Gefahr, als Vielsprecher den Druck zu erhöhen, wodurch Ihre Stimme höher und gepresster klingt. Gute Vorsätze allein sind nicht genug: Stellen Sie das Wasserglas als ständige Erinnerung in Sichtweite ab. Wenn Sie erst dann trinken, wenn Sie Durst verspüren, ist es bereits zu spät.

Als Profi ist es für Sie wichtig, Ihrer Stimme nicht nur außerhalb von Vortrag und Training Ruhephasen zu gönnen, Sie sollten auch deutlich merkbare Sprechpausen machen, während Sie sprechen. Sonst kann es zum sogenannten Lombardeffekt kommen: Sie passen sich der Umgebungslautstärke an und sprechen lauter und höher. Das wirkt jedoch auf den Hintergrundgeräuschpegel zurück. Das bedeutet: Es wird um Sie herum ebenfalls lauter und führt nicht wie geplant zu höherer Aufmerksamkeit. Mit echten Sprechpausen senken Sie den Gesamtgeräuschpegel und können mit normaler Sprechstimme weiter fortfahren. In größerer Runde empfiehlt es sich ohnehin, ein Mikrofon zu verwenden, damit Sie entspannt sprechen und Ihre Stimme angenehm warm und voll klingt.

Vielsprechen bedeutet Hochleistung. Können Sie sich einen Spitzensportler vorstellen, der ohne Aufwärmtraining an den Start geht, um dann sein Bestes zu geben? Ohne Warming-up wird er bei weitem nicht so leistungsstark sein. In Bezug auf Ihre Stimme heißt das: sie klingt flach, farblos, hat weniger Resonanz, kommt einfach nicht so gut an. Stimme aufwärmen: zeitsparend und effektiv Was müssen Sie denn eigentlich aufwärmen, wenn wir über die Stimme sprechen?

Orientieren Sie sich dafür an folgenden drei Zonen:
1. Becken, Rumpf, Lendenwirbelsäule
2. Schultern, Nacken, Ausdrucksradius der Ellbogen
3. Mund, Zunge, Mimik

Mit einem kurzen Aufwärmprogramm für alle drei Bereiche gelangen Sie zu einem klaren Standpunkt und Kraft in der Stimme, zu einer lebendigen und abwechslungsreichen Modulation sowie zu einer klaren Artikulation und vollem Stimmklang.

Wie kommen Sie dorthin?
1. Bewegung
Dehnen und strecken Sie sich, drehen Sie Ober- und Unterkörper entgegengesetzt, beugen Sie Ihren Rücken, laufen Sie kurz auf der Stelle.

2. Lockerung
Lassen Sie Ihre Schultern kreisen, schütteln Sie sich aus, bewegen Sie Ihre Arme weit in alle Richtungen, seufzen Sie einige Male aus tiefster Seele aus.

3. Aktivierung
Schneiden Sie Grimassen, lassen Sie die Lippen flattern, kreisen Sie mit Ihrer Zunge im Munde, sprechen Sie blödelnd und übertrieben in Babysprache, summen Sie ein paar Töne in unterschiedlichen Tonlagen vor sich hin.

Typische Fallen im Trainer- und Speakeralltag
Die meisten Redner sind didaktisch geschult und wissen, wie sie ihre Teilnehmer und Zuschauer leiten. Dabei könnten sie ihre persönliche Wirkung und ihr Auftreten noch verbessern, wenn sie folgende typische Fallen kennen und sich Alternativen dazu bewusst machen:

Vielrednerfalle 1: Atemlosigkeit

Viele Redner klagen darüber, dass ihnen beim Sprechen die Luft ausgeht, dass sie kurzatmig werden.
Atemprobleme beim Sprechen weisen darauf hin, dass Sie zu sehr auf sich selbst oder auf Ihre Inhalte konzentriert sind. Gönnen Sie Ihren Zuhörern eine Denkpause und sich eine kurze Auszeit.
Halten Sie inne, gehen Sie ein paar Schritte und spüren Sie nach, wie sich Ihr System dadurch wieder normalisiert. Alternativ nehmen Sie neuen Kontakt zu Ihren Teilnehmern auf, indem Sie Fragen stellen oder Beispiele aus der Praxis anführen.

Vielrednerfalle 2: „Ähs“ und Endlossätze

Gerade vielen Trainern ist es selbst gar nicht bewusst, doch den Teilnehmern fällt es auf und nervt: nicht enden wollende Sätze und Fülllaute wie „äh“ oder die permanente Anbindung des nächsten Gedankens mit „und“. Das Bewusstsein, als Trainer vorne zu stehen und zu den Teilnehmern zu sprechen, verursacht Sprechdruck, also das Empfinden, dass die anderen darauf warten, dass man weiter spricht. Häufig mangelt es dann an Mut zu jener Pause, die es den Teilnehmern ermöglicht, das Gesagte zu verarbeiten und zu reagieren. Daher lautet die Empfehlung nicht „Sprich auf Punkt“, sondern „Sende es ab!“.

Vielrednerfalle 3: Räuspern
Während des Sprechens entsteht das Gefühl, da ist etwas im Hals … was tun? Die typische Reaktion: räuspern. Das Fatale ist nur, dass Räuspern die Ursache nicht löst, sondern das Ganze noch verschlimmert. Wenn Sie sich räuspern, ist das für die Stimmlippen so, als würden Sie sie hart gegeneinander klatschen lassen. Tun Sie dem sensiblen Material etwas Gutes, indem Sie lieber Wasser trinken, und schlucken Sie kräftig, um den Drang des Räusperns loszuwerden. Sollte das nicht helfen, husten Sie kurz ab.

Vielrednerfalle 4: Sprechen im Rufton
Oft hängt es mit dem Gefühl zusammen, der Raum bzw. Saal sei zu groß und man wolle laut genug sprechen, um die große Distanz zu überbrücken, welches zu diesem erhobenen, insistierenden, häufig auch appellativen Ton in der Stimme führt. Hier hat das Auge das Ohr überlistet. Holen Sie sich erste Erfahrungen mit der so genannten Echoorientierung beim Sprechen, indem Sie Ihre Ohren als zweites Referenzsystem nutzen. Erforschen Sie den Raum akustisch, bevor Ihren Vortrag oder Ihr Seminar beginnt. Schließen Sie die Augen, sprechen Sie langsam einzelne Worte und horchen Sie auf den Widerhall.

Vielrednerfalle 5: Die Leute-Stimme
Als Zuschauer im Saal oder Teilnehmer in einem Seminar entsteht oft das Gefühl, man werde nur in der Masse angesprochen, aber ist nicht persönlich gemeint. Die Stimme signalisiert sehr konkret, welche Beziehung Sie als Redner in diesem Moment zu Ihren Zuhörern haben. Finden Sie beim Sprechen immer wieder zu Ihrem persönlichen Eigenton zurück. Das ist jener volle, warme Stimmklang, der Ihre Zuhörer unbewusst spüren lässt, dass Sie sie persönlich ansprechen. Sehr schnell finden Sie diesen Eigenton, wenn Sie wie beim aktiven Zuhören ein „mmh, mmh“ erklingen lassen.

Der Ernstfall: Erkältung, Heiserkeit oder keine Stimme
Hören Sie sich selbst gut zu: Bemerken Sie erste Anzeichen von Heiserkeit oder Schmerzen im Kehlkopf, geben Sie Ihrer Stimme eine Auszeit. Das über längere Zeit zu ignorieren, weil man ja nun einmal seine Verpflichtungen hat, gebucht wurde und leisten will, kann zu längeren und ernsthaften Stimmproblemen führen. Ihre Stimme braucht nun Ruhe und Regenerationszeit. Wie ermöglichen Sie das, obwohl Sie noch mitten im Training stehen? Besonders wichtig: Bitte flüstern Sie nicht. Flüstern ist in diesem Fall kontraproduktiv und strengt die sensiblen Muskeln im Hals noch mehr an. Sprechen Sie normal weiter, auch wenn nicht alle Töne so sauber klingen, wie Sie es gewöhnt sind. Trinken Sie viel Wasser, jedoch keinen Kamillentee. Lutschen Sie keine scharfen Bonbons (z.B. Pfefferminz, Eukalyptus), sondern Emser Pastillen oder Isla Cassis. Ziehen Sie sich in den Pausen und nach dem Seminar zurück.

Wenn Ihre Stimme dauerhaft oder regelmäßig beeinträchtigt ist, suchen Sie auf jeden Fall einen Arzt auf, am besten einen HNO-Arzt oder einen Phoniater.
Übrigens: Wenn Sie heiser sind und Ihr Seminar dennoch zu Ende bringen wollen, lassen Sie die Finger von ASS-haltigen Medikamenten (Aspirin u.ä.). ASS wirkt blutverdünnend und kann bei ohnehin gestressten Stimmmuskeln zu Einblutungen führen.

Ihre Stimme als Schlüsselreiz auf der Bühne und im Training
Die Wirkung Ihrer Stimme entfaltet sich besonders eindringlich, wenn Sie Ihren Zuhörern genügend Zeit zum Verstehen, Verarbeiten, Bewerten und entscheiden geben. Darüber hinaus ruft jede Atempause unbewusste Reaktionen hervor und hilft Ihnen, die aktuellen Bedürfnisse Ihrer Zuhörer neu zu erfassen. Als wertvoller Nebeneffekt findet Ihre Stimme nach einer Atempause wie von selbst in eine angenehme Ausgangslage zurück. So wirken Sie insgesamt sicherer und konzentrierter.

Sichern Sie Ihrer Stimme ein gutes Fundament, während Sie reden. Von links nach rechts tigernde Redner lenken erstens vom Inhalt ab und leiten zweitens einen guten Teil ihrer Energie in nicht zielführende Bewegung. Nutzen Sie den alten Redner- Leitspruch: „Sprich im Stehen – und denke im Gehen. Aber sprich wieder im Stehen!“ Stellen Sie sich gut geerdet frontal zu den Teilnehmern und genießen Sie die entstehende Erwartung. Zugegeben, es kostet anfangs ein wenig Überwindung, die Schultern loszulassen, sodass die Arme einfach der Schwerkraft folgen und rechts und links neben dem Körper ruhen. Doch erst dadurch kann sich eine authentische Gestik entwickeln, die Ihrer Stimme eine angenehme Modulation und einen starken Ausdruck verleiht.

Fünf Stimm-Tipps für Ihre Präsentation im Speaking und Training

1. "Übe nie im Wettkampf!"

Wärmen Sie Ihre Stimme auf! Aktivieren Sie zuerst Ihre Atmung, indem Sie sich dehnen und strecken und die Schultern kreisen lassen. Verbessern Sie dann Ihre Aussprache: Babysprache mit Schnauben und Grimassen schneiden lässt Sie deutlicher artikulieren. Summen Sie abschließend für einige Sekunden ein brummiges, langgezogenes „mmmmh“. Spüren Sie die Vibrationen in Kopf und Brust? Schon sind Sie gut gestimmt für Ihren Auftritt!

2. Standpunkte sind hörbar
Verwurzeln Sie sich mit beiden Füßen sportlich, als ob Sie kräftigen Gegenwind hätten. Lockern Sie Ihre Knie, entspannen Sie Ihren Po und verlagern Sie das Gewicht tendenziell nach vorne in Richtung Fußballen. Voilà: Sie wirken standfest, kraftvoll, souverän!

3. Sinn braucht Pausen
Gönnen Sie sich und Ihren Zuhörern Sprechpausen. Sie stiften Sinn, machen es spannend und ermöglichen dem Zuhörer vor allem, das Gesagte zu verarbeiten. Pausen gelingen wie von selbst, wenn Sie neugierig abwarten, welche Reaktionen auf Ihre Worte folgen.

4. Sprich wie ein Italiener
Trauen Sie sich, zu gestikulieren, sprichwörtlich mit „Händen und Füßen zu sprechen“. So kommt Energie in Ihre Stimme, Lebendigkeit in Ihr Sprechen. Sie begeistern!

5. Ohr überlistet Auge

Sprechen Sie das erste Wort in den Raum und halten Sie kurz inne, als wollten Sie dem Nachhall Ihrer eigenen Stimme lauschen. Reagieren Ihre Zuhörer darauf? Halten auch sie inne? Herzlichen Glückwunsch! Dann haben Sie mit dem „magischen ersten Wort“ schon mal einen guten Start hingelegt.

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